Dirigieren: Chorsinfonik

Gleich ganz groß angefangen: Mein Debüt-Konzert

Schon sehr bald nachdem ich 2008 den Männergesangverein Langenbernsdorf e. V. als Liedermeister übernommen hatte, kamen mir erste Ideen für ein chorsinfonisches Konzert mit Männerchor und Orchester. Spätestens ab dem Zeitpunkt, als ich Dirigierunterricht bekam und erstmals vor einem großen Orchester stand, war klar: Wir müssen ein Konzert auf die Beine stellen. Anfangs war ein kleines Konzert geplant. Doch als ich merkte, dass auch andere Männerchöre Interesse zeigten, warf ich meine Ideen über den Haufen und entschloss mich zur gegenteiligen Strategie: Anstatt klein zu denken und ein Projekt wachsen zu lassen, habe ich gleich etwas Großes geplant und war bereit, wieder Abstriche zu machen – eine Planungs- und Arbeitsweise, die ich mir seitdem zu eigen mache und auf deren Grundlage sich alle Erfolge bisheriger Projekte eingestellt haben.
Am 22. Oktober 2011 – dem 200. Geburtstag Franz Liszts – trat ich nach anderthalbjähriger Vorbereitung im Alter von 24 Jahren erstmals öffentlich als Dirigent auf eine Bühne. Fast 600 Zuhörer waren in den Kultursaal der Sachsenlandhalle Glauchau gekommen, um dieses Ereignis mitzuerleben. In einem großen Männerchor von mehr als 100 Sängern vereinigten sich der Männergesangverein Langenbernsdorf e. V., der Männerchor Seelingstädt e. V., der Bäckergesangverein 1904 Crimmitschau e. V., der Männerchor Glauchau-Rothenbach e. V. und die Männerstimmen des Georgius-Agricola-Chores Glauchau e. V., als Solistin sang Andrea Chudak (Sopran) und es spielte die Vogtland Philharmonie Greiz/Reichenbach. Im Vorfeld sammelte ich viele Erfahrungen sowohl bei der Planung als auch bei der Durchführung der Proben mit den Chören und mit dem Orchester.
Auf dem Programm standen neben den Ouvertüren, Chören und Arien aus Carl Maria von Webers Der Freischütz sowie Wolfgang Amadeus Mozarts Die Zauberflöte und dessen Kantate Dir, Seele des Weltalls, noch „Va‘, pensiero“ aus Giuseppe Verdis Nabucco und „Sul fil d‘un soffio etesio“ aus dessen Falstaff. Ebenso erklangen aber auch die Männerchor-Klassiker Der Jäger Abschied von Felix Mendelssohn Bartholdy, Ännchen von Tharau von Friedrich Silcher, In einem kühlen Grunde von Friedrich Glück und Die Nacht von Franz Schubert. Mein Ziel war es, ein Konzertprogramm zu gestalten, wie es unsere Sängerahnen im 19. Jahrhundert, als unsere Männerchöre gegründet worden sind, auch aufgeführt haben könnten.
Für fast alle Sänger war es das erste Mal, dass sie bei einem chorsinfonischen Konzert mitwirkten. Einige stießen auch an ihre Grenzen. Doch das Ergebnis war überwältigend. Wir alle merkten, dass etwas mit uns passiert ist. Bei den meisten wirkt dieses Konzert bis heute nach – am allermeisten wohl bei mir, den es seitdem immer wieder auf die Bühne zieht. Ohne das Erlebnis vom 22.10.2011 wäre mein Leben mit Sicherheit anders verlaufen und ohne den Mut sich angesichts massiver abfälliger Stimmen, die das Konzert bereits lange vor dem Stattfinden zum sicheren Flop erklärt hatten (weil sie insbesondere mir nichts zutrauten), sowie eines dadurch bedingten immensen Lampenfiebers auf diese Bühne zu treten und – salopp gesagt: – das Ding durchzuziehen, wäre ich ein anderer Mensch mit deutlich weniger Selbstvertrauen geworden.

22.10.2011.
22.10.2011.

Das Projekt „Ein Dorf singt“

Die Erfahrungen – und vor allem die großartige Resonanz – des chorsinfonischen Konzertes 2011 ließen schnell bei Vielen den Wunsch laut werden, dass so etwas in Langenbernsdorf stattfinden müsse. Um den Verein auch administrativ stark aufzustellen, fand eine große Umbildung des Vorstandes statt; u. a. wurde ich 2012 zusätzlich zu meinem Liedermeisteramt Vorsitzender. Im Jahr 2013 wurden unter dem Dach des Männergesangvereines Langenbernsdorf e. V. der gemischte Projektchor sowie ein Kinderchor gegründet. Dem Gründungsaufruf folgten über 90 Männer, Frauen und Kinder im Alter zwischen 8 und 79 Jahren. All dies diente zur Umsetzung eines als einmalig geplanten chorsinfonischen Konzertprojektes im Dezember 2013: Unter dem Motto „Ein Dorf singt“ wurde das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach im restlos ausverkauften Dorfgasthofsaal aufgeführt. Danach stand fest: Das Projekt muss wiederholt werden. Doch mit der alten Vereinsstruktur war dies nicht vereinbar. Erst seit 2016 sind die Voraussetzungen geschaffen worden, dass die Projektchorsängerinnen und -sänger formal Vereinsmitglieder werden konnten. Danach hat sich die Mitgliederzahl auf über 100 verdoppelt, der Altersdurchschnitt ist deutlich um fast zehn Jahre gesunken und auch der Männerchor hatte dadurch sieben neue aktive Mitglieder gewinnen können, ohne die eine Auflösung des Chores unvermeidbar gewesen wäre. Insgesamt haben sich in den ersten fünf Projektjahren 118 Männer und Frauen am Projektchor beteiligt. Durchschnittlich sind es über 70 pro Jahr. Hinzu kommen 20 Kinder, jeweils 30 bis 45 Orchestermusiker sowie die Solisten, sodass bei jedem Konzert zwischen 100 und 120 Menschen auf der Bühne des Dorfgasthofes stehen! Mit diesem Erfolg wurde der fast 150 Jahre alte Verein erhalten und glänzt heute in einer selten dagewesenen Blüte.
Dieser personell wiedererstarkte Gesangverein hat nun auch die Möglichkeit, mit seinen Projekten in den Ort hinein und weit über dessen Grenzen hinaus zu strahlen. Jahr für Jahr kommen neue Sängerinnen und Sänger aus einem immer größer werdenden Umkreis. Die soziale Struktur wird somit immer vielfältiger. Durch die Beteiligung der Familienangehörigen, Freunde, Bekannten und Arbeitskollegen der Mitglieder des Männergesangvereines Langenbernsdorf e. V. sowie weiterer Sängerinnen und Sänger aus Langenbernsdorf, die bisher wenig oder gar keinen Bezug zu unserem Verein hatten, soll während der kommenden Probenphasen die gesellschaftliche Bindung im Ort weiter gestärkt werden. Die Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen soll dabei zu einem regen Austausch der Generationen führen, wie er vom Männergesangverein Langenbernsdorf e. V. seit einigen Jahren bereits erfolgreich praktiziert wird; die Förderung des musikalischen Nachwuchses ist seit 2010 einer der Satzungszwecke unseres Vereines. In den wenigen Jahren hat sich bereits deutlich gezeigt, wie begeisterungsfähig Kinder und Jugendliche sowie gleichermaßen Erwachsene sein können, die zuvor nie oder nur selten „klassische Musik“ gehört haben.

Das erste "Ein Dorf singt"-Konzert am 20.12.2013.
Das erste "Ein Dorf singt"-Konzert am 20.12.2013.
Von Bach bis Filmmusik: "Ein Dorf singt 2016".
Von Bach bis Filmmusik: "Ein Dorf singt 2016".

Das Besondere am Dirigieren chorsinfonischer Musik

Das Besondere am Dirigieren chorsinfonischer Musik ist aus meiner persönlichen Sicht das schier überwältigende Gefühl ein Orchester und einen Chor – zusammen meist mehr als 100 Musiker – zusammen zum Klingen zu bringen. Chöre haben ihre Eigenheiten, Orchester haben ihre Eigenheiten. Oft entsteht dadurch das, was das italienische Wort „concertare“, von dem sich unsere deutschen Begriffe „Konzertieren“ oder „Konzert“ ableiten, im Ursprung bedeutet: Miteinander wetteifern, miteinander in einen Wettstreit treten – es ist ein Wettstreit im positiven Sinn, ein gemeinsamer Wettstreit um den großen Klang. Für viele Komponisten war es reizvoll, die Möglichkeiten eines Orchesters und der menschlichen Stimme, sowohl als Chor als auch in Solo- oder Ensemblesätzen, miteinander zu kombinieren. Mindestens genauso reizvoll finde ich die Herausforderung, diese Werke nun zum Klingen zu bringen.

Referenzen als Dirigent chorsinfonischer Musik

2011 Debüt-Konzert als Orchesterdirigent mit 5 Männerchören, der Sopranistin Andrea Chudak und der Vogtland Philharmonie Greiz/Reichenbach
2013 - heute Gründung und Leitung des Projektes „Ein Dorf singt“ in Langenbernsdorf
2014 Initiator und Leiter des Kammerchores des Instituts für Musikwissenschaft Weimar-Jena und eines Projektorchesters an der Hochschule für Musik FRANZ LISZT in Weimar für die Wiederaufführung von Werken Luigi Cherubinis
2014, 2016 im Rahmen der Auerbacher Sommerkurse Orchesterdirigieren mit der Vogtland Philharmonie Greiz/Reichenbach sowie dem Auerbacher Kammerchor Proben und Aufführungen chorsinfonischer Literatur
zudem zahlreiche Dirigate mit (Schul-) Chören und Schülerorchestern (gemischte Ensembles, Blasorchester, Akkordeonorchester)