Über Musik…

Verglichen mit anderen Wissenschaftsdisziplinen ist die Musikwissenschaft sehr klein. Viele Musikwissenschaftler lernt man durch ihre Publikationen, durch Vorträge oder durch persönliche Treffen im Rahmen von Lehrveranstaltungen und / oder Vorträgen auf Fachtagungen kennen. Damit sind die meisten Möglichkeiten genannt, mit denen sich Musikwissenschaftler an ihr „Publikum“ richten können.

Ich finde es spannend, andere Menschen an meinem Wissen und an meiner Forschung teilhaben zu lassen. Wir Musikwissenschaftler sind es, die eine Vermittlerrolle zwischen den Musikern und den Hörern von Musik (ob live im Konzert oder via CD auf dem heimischen Sofa) einnehmen. Zu erforschen, was in der Musikgeschichte wann und warum geschehen ist, ist eine Seite der Medaille. Andere Menschen – oft handelt es sich dabei um interessierte Laien oder musikalisch fast völlig Unerfahrene – von dem zu begeistern, was einen selbst antreibt, ist aber eine ebenso erfüllende Aufgabe. Beides halte ich für untrennbar miteinander verbunden. Musikwissenschaft darf einerseits kein Selbstzweck sein, andererseits benötigt man für die Musikvermittlung Fachkenntnis.

Nicht zuletzt geht es in unserem Fach auch immer darum, der Politik und der Gesellschaft zu erklären – und vor allem an guten Ergebnissen zu zeigen –, warum es unseren Beruf geben muss und warum es gerechtfertigt ist, dass musikwissenschaftliche Stellen fast ausschließlich auf der Grundlage öffentlicher Gelder / Steuern finanziert werden. Wenn sich Deutschland als Kulturnation und die Europäische Union als Bündnis von Ländern mit derselben oder zumindest einer annähernd gleichen Kulturgeschichte begreifen, dann ist die Musikwissenschaft ein unverzichtbarer Baustein in der Aufarbeitung dessen, was unsere Kultur überhaupt ausmacht. Alle Lebensbereiche unserer Kultur waren und sind mit Musik verbunden: Sei es die Oper als gesellschaftskritisches Medium, die Kirchenmusik als Unterstützung höchster religiöser Rituale, die Nationalhymnen als Repräsentationsmusik einer bestimmten nationalen Identität, die Volkslieder als weiterer Überlieferungsträger alter Sagen und Geschichten oder vieles andere mehr. Kein Film, keine Fernsehwerbung und kein Kaufhausbesuch funktionieren heutzutage ohne Musik.

Doch wie äußert man sich über Musik? Das geht schriftlich durch Monografien und Beiträge in Büchern / Zeitschriften / Lexika, womit man sich eher an die Fachwelt richtet, sowie durch Beiträge in Programmheften oder CD-Booklets, wodurch wiederum die breite Masse angesprochen werden soll. Für all das gibt es ein mündliches Äquivalent: Vorträge auf Tagungen richten sich vorwiegend an ein Fachpublikum, Lehrveranstaltungen an Hochschulen und Universitäten gewissermaßen auch und Konzertmoderationen / Einführungsvorträge zu Konzerten sind wiederum für das jeweilige breite Publikum gedacht. Bereits seit meinem Studium konnte ich in allen genannten Bereichen wertvolle Erfahrungen sammeln.