Ehrenamtliches Engagement

Ich glaube, dass es eine vitale und tolerante Gesellschaft nur geben kann, wenn sich viele engagierte Menschen dafür einsetzen. Deswegen engagiere ich mich bereits seit meiner Schulzeit.

 

Schon als Schüler ein Bedürfnis: Verantwortung übernehmen

Als langjähriger Klassensprecher, Vorsitzender des Schülerrates und somit Mitglied des Kreisschülerrates lernte ich sehr früh, was es bedeutet, für die Interessen einer Gruppe zu streiten und sich in Gremien für die Belange der Mitschüler einzusetzen. Durch meine Mitgliedschaft im Debattierclub meiner Schule und die Teilnahme am Bundeswettbewerb „Jugend debattiert“ sowie durch mein damals bereits großes Interesse an Geschichte, Philosophie und Politik hatte ich früh eine ausgeprägte Vorstellung von Demokratie. Unter meiner Führung gab sich bspw. der Schülerrat erstmals eine Geschäftsordnung. Konflikte mit Lehrern habe ich nie gescheut, weswegen ich mich bei einigen nachhaltig ins Gedächtnis graviert habe. Manches war für mich durchaus eine emotionale Herausforderung. Doch ich glaube, dort gründet meine heutige mentale Stärke und die Unbekümmertheit für Gerechtigkeit einzustehen – gerade auch gegen vermeintliche Autoritäten.

Vereinsarbeit als Wertevermittlung und Völkerverständigung

Prägende Erlebnisse waren für mich die Schüleraustausche, Sprachreisen und Klassenfahrten in die für mich damals völlig fremden Länder Großbritannien, Frankreich, Italien und USA. Als sich abzeichnete, dass wir die letzte deutsche Schülergruppe in unserer US-Partnerschule sein würden, gründete sich eine Initiative von USA-Enthusiasten, die nach einer neuen, auch politisch zu besiegelnden transatlantischen Partnerschaft suchten. Als Ende 2004 in Glauchau der Städtepartnerschaftsverein „Friends of Lynchburg e. V.“ ins Leben gerufen wurde, um eine Städtepartnerschaft mit Lynchburg in Virginia gedeihen zu lassen, gehörte ich als jüngstes und einziges minderjähriges Mitglied zu den Gründern und übernahm erste Aufgaben. Bei den Vereinstreffen, politischen Diskussionen in den Stadt- und Schulgremien sowie bei mehreren Besuchen im US-Generalkonsulat durfte ich miterleben, wie eine Städtepartnerschaft von unten wächst, wie gelebte Völkerverständigung aussehen kann und wie internationale Diplomatie – wenn auch auf der untersten Stufe – funktioniert. So war ich Mitglied der ersten Schülerdelegation (2006) und der ersten Kulturdelegation (2013) mit dem eigens für diese Reise gegründeten Kammerchor St. Georgen Glauchau nach Lynchburg. Die entstandenen Freundschaften und Kontakte bestehen bis heute. Vor allem aber lernte ich Toleranz gegenüber anderen Kulturen, Lebensweisen und mitunter verblüffend andersartigem Alltäglichem zu empfinden. Gleichzeitig lernte ich mein Privileg zu schätzen in Deutschland leben zu können, wo es uns so gut geht, wie in kaum einem anderen Land der Erde.

Abschied des Kammerchores St. Georgen Glauchau auf dem Flughafen Lynchburg 2013.

Ehrenamt als Herzensangelegenheit: Meine Tätigkeit in Langenbernsdorf

All das waren wohl die Voraussetzungen dafür, dass sich meine ursprünglich als einfache Chorleitertätigkeit geplante Mitgliedschaft im Männergesangverein Langenbernsdorf e. V. zu deutlich mehr entwickelte. Über das Medium Musik und den Willen, auch in einer sich kulturell und demographisch verändernden Gesellschaft weiterhin gemeinsam zu singen und somit eine bis ins 19. Jahrhundert zurückreichende Tradition zu pflegen, übernahm ich allmählich auch die administrative Leitung des Vereines. Ich hatte viele Ideen und die Kraft, diese im Dialog mit den Mitgliedern umzusetzen – nicht ohne erwartungsgemäß auf z. T. heftigen Widerstad zu stoßen. Der Verein öffnete sich sowohl hinsichtlich des Repertoires als auch der Mitglieder und Partner; die Förderung des musikalischen Nachwuchses wurde zusätzlicher Vereinszweck. Es entstanden Partnerschaften mit der örtlichen Grundschule und mit regionalen (Musik-) Schulensembles. Als das Projekt „Ein Dorf singt“ entstand (mehr dazu unter Musik…dirigieren: Chorsinfonik), war dies natürlich hauptsächlich ein musikalisches Projekt, doch es hat wie kein anderes meiner bisherigen Projekte so nachhaltig in die Gesellschaft hinein gewirkt. Bis heute erstaunt mich nicht nur, dass die Idee, dass ein maßgeblich dem deutschen Liedgut verhafteter Männerchor im kulturschwachen ländlichen Raum ein ganzes Dorf dazu aufruft, im Dorfgasthofsaal chorsinfonische Musik mit international reüssierenden Solisten und einem weltweit gastierenden Orchester aufzuführen, funktioniert hat, sondern dass dies landesweit wahrgenommen und gewürdigt wurde.

Mit Musik gegen Intoleranz und Ignoranz

Als wir das „Ein Dorf singt“-Programm für 2015 unter dem Motto „Requiem aeternam“ planten, konnten wir noch nicht wissen, dass es im Herbst 2015 eine lange nicht mehr dagewesene Fluchtsituation in Deutschland geben würde. Unser Projekt, das per se nicht nur die Musik sondern auch die Gemeinschaft der Musizierenden im Blick hatte und speziell 2015 auf die Erinnerung an beide Weltkriege konzipiert war (1915 kam die Chorarbeit im Ersten Weltkrieg erstmals zum Erliegen, 1945 wurde der Zweite Weltkrieg beendet), und speziell ich als dessen Leiter konnten nun nicht wegschauen. Wir luden Geflüchtete aus den Werdauer Unterkünften zu unserem Konzert und der anschließenden Chorfeier ein. Wer Integration fordert, muss Integration leben. Das haben wir getan.

Feier des Chores gemeinsam mit Geflüchteten und Mitgliedern des benachbarten Helferkreises nach dem zweiten Konzert "Ein Dorf singt: Requiem aeternam" 2015. Mit dabei waren u. a. Langenbernsdorfs Bürgermeister Frank Rose sowie der Präsident des Sächsischen Chorverbandes e. V. und Vizepräsident des Sächsischen Landtages Horst Wehner.

In meiner Begrüßung während der Konzerte nahm ich zudem deutlich Stellung gegen die Intoleranz und Ignoranz in weiten Teilen der Gesellschaft. Diese Rede, die anschließend im Gemeindeblatt abgedruckt wurde, führte zu einer Flugblattaktion, in der ich namentlich als „antideutscher Populist“ mit „Widerwärtigkeit dem deutschen Volke […] gegenüber“ diffamiert wurde. Das alles hielt uns nicht davon ab, dass die darauf folgende Mitgliederversammlung einstimmig (!) beschloss, dass sich der Verein aktiv für die in der Region untergebrachten Geflüchteten engagiert – damals v. a. noch in der Annahme, dass Langenbernsdorf bald selbst Geflüchtete beherbergen würde, wozu es jedoch nicht kam. Seitdem wurden die Geflüchteten in unsere weiteren Konzerte eingeladen. Leider ebbte die anfängliche große Resonanz ab bzw. war es den Helferkreisen logistisch nicht möglich, die Geflüchteten zu unseren Konzerten zu fahren. Auch mehrfache Anläufe zum gemeinsamen Musizieren hatten bisher leider keinen Erfolg.

In folgenden Vereinen bin / war ich Mitglied und üb(t)e diverse Vorstandsämter aus:

2004–heute Gründungsmitglied des Glauchauer Städtepartnerschaftsvereines „Friends of Lynchburg e. V.“, anfangs stellvertretender Schriftführer, während der Schulzeit Kontaktperson zum Georgius-Agricola-Gymnasium Glauchau, seit 2014 Wahlleiter
2008–heute Mitglied und Liedermeister des Männergesangvereines Langenbernsdorf e. V., seit 2012 auch Vorsitzender
2010–heute Vorstandsmitglied des Westsächsischen Chorverbandes e. V., seit 2014 Vizepräsident
2011–heute Gründungsmitglied des Alumni-Netzwerkes des Georgius-Agricola-Gymnasiums Glauchau „Club der Agricolaner“, 2011–2014 Vorstandsmitglied (Referent für Finanzen und Recht)
2012–2013 Liedermeister des Männerchores Seelingstädt e. V.
2012–heute Mitglied der Internationalen Cherubini-Gesellschaft e. V., seit 2015 Geschäftsführer
2013–heute Mitglied der Academia Musicalis Thuringiae e. V., seit 2015 Kassenprüfer
2014–heute Mitglied des Fördervereins „Vogtland Philharmonie Greiz/Reichenbach e. V.“
2014–heute Mitglied der Gesellschaft für Musikforschung e. V.
2018–heute Präsidiumsmitglied des Sächsischen Chorverbandes e. V.